Das Kopftuch sorgt für Ausgrenzung

Landesausschuss für multikulturelle Politik der GEW NRW

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist in einer Zeit gefallen, in der Inklusion das Thema Nummer eins in allen Schulen ist. Mit der Aufhebung des Kopftuchverbots ist Ausgrenzung jedoch vorprogrammiert.
Das Kopftuch sorgt für Ausgrenzung

Foto: nena2112/photocase.de

Der gelebte Islam in Europa zeigt von Land zu Land große Differenzen. Während in Frankreich die Einhaltung des Laizismus gefordert wird, wird in Deutschland diskutiert, ob das Kopftuch mit Frauenrecht vereinbar sei. Geführt wird die Debatte in Deutschland vor allem von den islamischen Verbänden. Wessen Interessen sie vertreten, ist fraglich, denn die Mehrheit der Muslime ist nicht organisiert. Dennoch: Die islamischen Verbände bilden in NRW den Koordinierungsrat der Muslime und beeinflussen maßgeblich das muslimische Leben im Land.

Stellungnahme von DITIB
Jede dieser Vereinigungen steht für eine eigene islamische Anschauung und Politik. So heißt es etwa in einer Stellungnahme von DITIB zum Kopftuch: „Muslimische Frauen müssen ab Eintritt der Pubertät in Gegenwart von Männern, mit denen sie nicht verwandt seien, und die zu ehelichen ihnen religionsgeschichtlich erlaubt sei, ihren Körper – mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen – mit Kleidung derart zu bedecken, dass die Konturen und Farbe des Körpers nicht zu sehen seien. Der Kopf gelte dabei als bedeckt, wenn Haare und Hals vollständig bedeckt seien (...).“ Der Islam als eine der Weltreligionen hat einen besonderen Anspruch auf das gesellschaftliche Leben, darunter auch das Private. Er ist seit seiner Entstehung politisch zu verstehen und versucht, diesen Anspruch auch in der heutigen Zeit aufrechtzuerhalten. Wenn der Koran als Grundgesetz angelegt wird, sind Konflikte wie der um das Kopftuch unvermeidbar.

Rolle des Kopftuchs im Unterricht
Welche Rolle das Kopftuch in der Schule spielt, berichten uns Lehrkräfte im herkunftssprachlichen Unterricht (HSU): Schülerinnen, die das Kopftuch tragen, isolieren sich häufig bewusst von der übrigen Schülerschaft. Muslimische Schülerinnen, die kein Kopftuch tragen, werden innerhalb der gleichen Sprachgruppe ausgeklammert, denn sie sind in den Augen der Kopftuchträgerinnen keine „richtigen Muslime“. Der Streit innerhalb der muslimischen Schülerschaft ist vorprogrammiert. Deutsche Kolleg*innen bekommen diese Konflikte nicht mit, wenn die HSU-Lehrkraft im Kollegium nicht integriert ist und der Informationsfluss stockt. Schon jetzt ist zu vermuten, dass den islamischen Gemeinden das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht genügt. Was kommt nach dem Kopftuch? Getrennter Sport- und Schwimmunterricht für Jungen und Mädchen?

Vor diesem Hintergrund setzt eine Lehrerin, die das Kopftuch im Unterricht trägt, das falsche Zeichen. Die GEW NRW muss für eine demokratische, laizistische, tolerante und weltoffene Erziehung eintreten, damit aus unseren Schüler*innen emanzipierte und gleichberechtigte junge Frauen und Männer werden.

Hasan Taskale // In: nds 4-2015