GEW NRW fordert einen Runden Tisch „Inklusion“

Inklusion braucht mehr!

Bei der Umsetzung der Inklusion in NRW ist für die GEW von zentraler Bedeutung, dass Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap einen Anspruch auf ein qualitativ hochwertiges inklusives Schulangebot haben – so wie es die UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen vorgibt. Die Realität an den Schulen steht im krassen Widerspruch dazu.
GEW NRW fordert einen Runden Tisch „Inklusion“

Foto: Christoph Hainc/photocase.de

Vor allem aufgrund fehlender Lehrkräfte, zu großer Klassen und mangelnder Vorbereitung stehen die Schulen unter erheblichem Druck, so der einhellige Tenor aus den Untergliederungen der GEW NRW. Und es fehlen Qualitätsstandards, klare Zuständigkeiten, Zeit für Beratung und Kooperation, eine transparente Steuerung der Ressourcen sowie eine begleitende Unterstützung für die Entwicklung zur inklusiven Schule.

Inklusion braucht Qualität, Struktur und Unterstützung
Die GEW NRW fordert dringend an Stelle der zurzeit praktizierten Steuerung, die primär eine Steigerung der Inklusionsquote in NRW zum Ziel hat, eine Steuerung, die den Blick auf die qualitativen Aspekte der Umsetzung in den Schulen richtet. Das Schulministerium rühmt sich damit, die Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf bei der Lehrerversorgung doppelt zu zählen, mit der Lehrer*innen-Schüler*innen-Relation der allgemeinen Schule und mit der Relation für die sonderpädagogische Förderung. Bei den Schulen kommen die Stellen jedoch nicht an. Es war ein Fehler, die Zahl der Stellen der Lehrkräfte für sonderpädagogische Unterstützung von Kindern mit Lern-, Sprach- und Entwicklungsstörungen zu deckeln. Auch durch die Verteilung der Kinder auf eine immer größere Anzahl von Schulen reichen die Stellenressourcen nicht aus.
Für das Gelingen von Inklusion im Sinne eines guten Lehr- und Lernklimas braucht es kleine Klassen mit maximal 20 Kindern – davon höchstens fünf mit Handicap – sowie eine durchgehende Doppelbesetzung mit einer Regelschullehrkraft und einer Lehrkraft für Sonderpädagogik. Berechnungen des Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm zufolge werden 7.000 zusätzliche Stellen benötigt. Um den besonderen Problemlagen vor Ort Rechnung tragen zu können, ist zusätzlich ein schulscharfer Sozialindex notwendig.
Für die begleitende Unterstützung der Lehrkräfte und der Schulen sowie den Erhalt der sonderpädagogischen Expertise müssen regionale Fachzentren für inklusive Bildung eingerichtet werden, die auch dem gestiegenen Fortbildungsbedarf gerecht werden müssen.

Aktionsplan der GEW NRW
Zahlreiche Hinweise und Rückmeldungen aus Schulen und Beschlüsse der Untergliederungen haben den Landesvorstand der GEW NRW veranlasst, mit einem breit angelegten Aktionsprogramm zu reagieren. Damit die Inklusion nicht vor die Wand fährt, hat die Bildungsgewerkschaft Schulministerin Sylvia Löhrmann die Einrichtung eines Runden Tisches im Rahmen der Bildungskonferenz vorgeschlagen. Dessen Ziel soll sein, den breiten gesellschaftlichen Konsens der Inklusion zu festigen und sich gleichzeitig über verbesserte Rahmenbedingungen und mehr Ressourcen für die Inklusion zu verständigen sowie Empfehlungen an den Landtag auszusprechen.
Die GEW NRW wird in den kommenden Monaten sowohl ihre öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten verstärken, um auf Fehlentwicklungen bei der Umsetzung der Inklusion aufmerksam zu machen, als auch die Unterstützung der Kollegien und Untergliederungen bei der Durchsetzung erforderlicher Gelingensbedingungen intensivieren. Die Kommission Inklusion der GEW NRW aktualisiert die Broschüre „Schulische Inklusion“, die mit gesetzlichen Grundlagen und praktischen Tipps auf große Resonanz gestoßen und bereits vergriffen ist. Darüber hinaus bietet die GEW NRW wieder Fortbildungen zur Inklusion für Lehrkräfte aller Schulformen, für Schulleitungen, für Lehrer- und Personalräte an. Im Vordergrund stehen dabei die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team, Leistungsbewertung, die Anwendung der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sonderpädagogische Förderung sowie die ressourcenorientierte Umsetzung der Inklusion. Das neue Fortbildungsprogramm erscheint zu Beginn des Schuljahres 2015 / 2016.

Ilse Führer-Lehner, Gerd Weidemann // In: nds 5-2015