Is' was, Doc?

Was bedeutet Karriere in einem Berufsfeld, das von prekärer Beschäftigung geprägt ist?

Die Karrierewege in Wissenschaft und Forschung sind steinig, aber in Sachen Unterstützung tut sich etwas. Die meisten Wissenschaftler*innen haben große Freude an ihrer Arbeit in Forschung und Lehre, klagen aber über ein regelrechtes Jobtrauma, wenn es um die Rahmenbedingungen geht. Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten, lange und steinige Karrierewege, auf diese Missstände macht die GEW seit Jahren aufmerksam.
Is'was, Doc?

Foto: Kzenon/fotolia.de

Die meisten Wissenschaftler*innen haben große Freude an ihrer Arbeit in Forschung und Lehre, klagen aber über ein regelrechtes Jobtrauma, wenn es um die Rahmenbedingungen geht. Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten, lange und steinige Karrierewege, auf diese Missstände macht die GEW seit Jahren aufmerksam. Dauerstellen für Daueraufgaben, Mindeststandards für Zeitverträge, berechenbare Karriereperspektiven, das sind die Eckpunkte einer Reform, wie sie die GEW im Templiner Manifest beschrieben hat.

Postdocs haben es schwer, aber ...

Wer sich heute für eine Wissenschaftskarriere entscheidet, hat oft mit schwierigen Bedingungen zu tun. Dabei gilt die Phase nach der Promotion als besonders kritisch. Es gibt neben der Professur zu wenig Perspektiven, auf Dauer Wissenschaft als Beruf zu betreiben. Ein „Tenure Track“, wie er etwa aus den USA oder Kanada bekannt ist, könnte für Abhilfe sorgen: Postdocs können fest mit einer Entfristung ihres Arbeitsvertrages rechnen, wenn sie die mit ihrer Uni vereinbarten Ziele erreichen. Gut, dass sich auch in Deutschland die ersten Hochschulen in diese Richtung bewegen.

... die Promotion bleibt Karriereschlüssel

Trotz unsicherer Perspektiven in der Postdocphase: Die Bedingungen für einen Einstieg in die Wissenschaftslaufbahn haben sich in den letzten Jahren verbessert, Reformen in Bund und Land sind in Sicht. Bund-Länder-Programme wie die Exzellenzinitiative, aber auch der Ausbau der Stipendienprogramme der Begabtenförderwerke wie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben für einen Ausbau der Promotionsförderung gesorgt. Immer mehr Hochschulen arbeiten außerdem an Konzepten für eine wirksame Betreuung der Promovierenden, etwa im Rahmen von Graduiertenzentren. Problematisch bleibt aber, dass die Laufzeiten der Förderung häufig nicht der tatsächlichen Promotionsdauer entsprechen. Dennoch: Wer nach dem Studium den Dingen in seinem Fach mal richtig auf den Grund gehen möchte, wer sich die Option für eine wissenschaftliche Karriere offenhalten und gleichzeitig seine Aufstiegschancen in der Praxis verbessern möchte, sollte eine Promotion ins Auge fassen. Dafür gibt es vor Ort zunehmend Unterstützung: Karriereförderung und Personalentwicklung, Familienförderung und Gleichstellungspolitik, immer mehr Hochschulen machen konkrete Beratungs- und Förderangebote. Nachfragen lohnt sich. Und nie im Regen steht, wer sich außerdem in der Bildungs- und Wissenschaftsgewerkschaft mit Kolleg*innen vernetzt.

Dr. Andreas Keller // In: nds 4-2015