Neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg

Späte Bescherung

Die flotte Durchsetzung der administrativen Agenda zur Weiterentwicklung der Berufskollegs stieß im nordrhein-westfälischen Landtag an ihre Grenzen. Den Parlamentarier*innen ist dabei fraktionsübergreifend ein Kunststück geglückt, auf das sie stolz sein können. Sie waren es schließlich, die die Novellierung argumentativ dominierten und darauf bestanden, die Schulrechtsänderung sachgerecht und widerspruchsfrei in einer Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg (APO-BK) umzusetzen – und das auf eine nüchterne und unaufgeregte Weise.
Neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg

Foto:Baibaz/fotolia.de

Was Anfang Dezember 2014 im Schulausschuss endlich verabschiedet wurde, kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Zunächst bleibt es bei der bisher bewährten und anwenderfreundlichen Anlagen- und Abschlussorientierung.

Gewerkschaftlicher Erfolg: flexible Stundentafel
Substanziell geändert wurde allein die Ausbildungsvorbereitung in den Anlagen A und B der APO-BK. Die bisherigen Bildungsgänge Berufsorientierung und die Klassen für Schüler*innen ohne Berufsausbildungsverhältnis (KSOB) wurden in der Anlage A mit dem Bildungsgang Ausbildungsvorbereitung neu geordnet. Neu ist dabei allerdings allein die curriculare Ausrichtung an Qualifizierungsbausteinen, denn die Möglichkeit der Dualisierung hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Diese wurde völlig unzureichend genutzt. Daran wird sich voraussichtlich faktisch wenig ändern.

Ein gewerkschaftlicher Erfolg ist es, dass durch die Flexibilisierung der Stundentafel auch in Zukunft der Erwerb des Hauptschulabschlusses möglich sein wird. DGB und GEW NRW konnten sich hier durchsetzen.

Neue Regelungen für Berufsfachschulen
Eine neue Struktur hat die Berufsfachschule unter Wegfall des Berufsgrundschuljahres bekommen. Angeboten werden in Zukunft in der Anlage B der APO-BK zwei eigenständige Bildungsgänge der Berufsfachschule (BFS) mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen und Bildungszielen. Die BFS1 nimmt Jugendliche auf, die über einen Hauptschulabschluss verfügen und einen Abschluss nach Klasse 10 anstreben. Die BFS2 ist zuständig für Jugendliche, die über einen Abschluss nach Klasse 10 verfügen und einen mittleren Schulabschluss anstreben.

Jugendliche, die bereits einen mittleren Schulabschluss haben und die eine Ausbildung in bestimmten Branchen – zum Beispiel im Gesundheitsbereich – anstreben, können ausnahmsweise in die BFS2 aufgenommen werden. Beide Bildungsgänge sind curricular auf fachbezogene Ausbildungsbausteine ausgerichtet. Dabei ist allerdings noch zu klären, aus welchen Ausbildungsberufen die Ausbildungsbausteine herangezogen werden. So sind beispielsweise allein dem Fachbereich Wirtschaft über 50 Ausbildungsberufe zuzuordnen.

Wünschenswert: bessere Gliederung und Transparenz
Eigentümlich unklar bleiben die Regelungen zur Gliederung des Berufskollegs. Nach dem Durcheinander um die Bezeichnung – die Administration sprach von „Bereichen“, die Parlamentarier*innen zunächst von „beruflichen Lernfeldern“ – und der Festlegung auf den Begriff „Fachbereich“ ging es schlussendlich um die Zahl der Fachbereiche und deren Anlagenzuordnung. Herausgekommen ist ein wahres Potpourri unterschiedlichster Bezeichnungen.

Die im allgemeinen Teil der APO-BK aufgeführten zehn Fachbereiche wechseln in den Anlagen munter ihre Bezeichnungen, aus Fachbereichen werden mal Berufsfelder, mal Fachrichtungen, der Fachbereich Umwelttechnik taucht in den Anlagen gar nicht auf – gut gegliedert und transparent sieht anders aus.

Schade auch, dass die Berichtspflicht des Ministeriums kommentar- und ersatzlos gestrichen worden ist. Bleibt zu hoffen, dass die Parlamentarier*innen in regelmäßigen Abständen eine Evaluation der Verordnung vom Schulministerium verlangen.             

Dietrich Mau // In: nds 1-2015