Was ziehe ich als Lehrer*in an?

Kleidung: Eine Frage der Authentizität

Was ziehe ich als Lehrer*in an?

Foto: Kzenon/fotolia.de

Wenn es um Schule und Kleidung geht, stehen zumeist Schüler*innen im Fokus der Öffentlichkeit. Noch im Sommer 2015 sorgte eine Schulleiterin aus Baden-Württemberg für Aufregung, weil sie ihren Schülerinnen verbot, „aufreizende Kleidung“ wie Hotpants oder bauchfreie Tops zu tragen. Über die Kleidung von Lehrer*innen wird hingegen, abgesehen von der Kopftuch-Debatte, kaum diskutiert.

Gut gekleidet im Klassenraum

Für die meisten älteren Kolleg*innen ist Kleidung vielleicht auch eher kein Thema. Jüngere Lehrkräfte machen sich durchaus mehr Gedanken vor dem Kleiderschrank und fragen sich, was sie in der Schule anziehen sollen. Man kann es sich einfach machen und das Thema mit dem Hinweis, dass es letztendlich auf die inneren Werte ankommt, abhaken. Es stimmt ja auch, dass Kleidung weder Souveränität noch Autorität und auch keine Beliebtheit schafft. Aber wer denkt, Kleidung hätte keinen Einfluss auf unsere Außenwirkung, macht sich etwas vor. Ein Lehrer, der stets denselben grünen Schlabberpullover oder dieselbe schlecht sitzende beige Kordhose trägt, gilt bestenfalls als schrullig. Und eine junge Kollegin, die in durchlöcherten Jeans und schmuddeligen Turnschuhen zur Schule geht, muss sich nicht wundern, wenn sie als Lehrerin nicht ernstgenommen wird. Natürlich kann der schrullige Kollege trotz seiner Kleidung ein allseits anerkannter Lehrer sein und auch die junge Kollegin kann sich allein durch souveränes Auftreten Respekt verschaffen. Aber beide machen es sich ziemlich schwer. Die äußere Erscheinung bestimmt zumindest so lange den Eindruck anderer, bis sie die Person besser kennengelernt haben. Die Frage, welche Kleidung im Klassenraum angemessen ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Schließlich sollte man sich wohlfühlen und nicht wie verkleidet.

Zur starken Lehrerpersönlichkeit gehört vor allem Authentizität

Wichtig ist, dass die Kleidung gepflegt ist. Denn Schüler*innen schauen sehr genau hin: Egal ob kaputte Schnürsenkel, fettige Haare, gammelige Strickpullover, in 45 Minuten Unterricht entgeht ihnen nichts. Ein eher sportlicher Kleidungsstil ist völlig in Ordnung. Ein Blazer kann helfen, sich äußerlich von den Schüler*innen zu unterscheiden. Mit einer Krawatte ist man an den meisten Schulen overdressed. Wer unsicher ist, kann sich in Stilfragen am Kollegium orientieren. Doch man sollte sich auch nicht zu sehr den Kopf zermartern: Denn zu einer starken Lehrerpersönlichkeit gehört vor allem Authentizität.

Carolin Sponheuer // In: nds 10-2015